Die neue empirica-Studie „Wohn- und Lebenskonzepte in der Peripherie“ im Auftrag des BBSR untersucht, was dran ist an der These der „neuen Landlust“. Analysiert wurden die Beweggründe, warum Menschen aus Städten in ländlich-periphere Räume ziehen – und welche Orte davon profitieren. Grundlage sind u. a. Befragungen von über 1.000 zugezogenen Haushalten in neun Fallstudienkommunen.
Einige zentrale Erkenntnisse:
Nicht ein Wertewandel oder veränderte Wohnstandortpräferenzen, sondern veränderte Rahmenbedingungen treiben die Entwicklung.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass weniger neue Lebensideale als vielmehr strukturelle Veränderungen entscheidend sind: hohe Wohnkosten in Städten, bessere Arbeitsmarktchancen in ländlichen Regionen und vor allem Homeoffice erleichtern das Leben auf dem Land.
Familien sind die wichtigste Zuzugsgruppe.
Viele verwirklichen in peripheren Räumen den Wunsch nach Wohneigentum. Besonders spannend: 23% der Zugezogenen kamen direkt aus Großstädten, 16% waren Rückkehrende.
Der Sehnsuchtsort ist oft keine konkrete Gemeinde, sondern eine ganze Region.
Die Mehrzahl der zugezogenen Haushalte sucht genau das, was ländliche Räume im Unterschied zu den städtischen Räumen ausmacht: Ruhe, Natur, Sicherheit oder ein gesundes Wohnumfeld – weniger dagegen perfekte Infrastruktur oder Kulturangebote. Die Studie formuliert zugespitzt: Wer aufs Land zieht, sucht meist nicht den Bahnhof, die perfekte Busanbindung oder das Kino vor der Haustür.
Homeoffice verändert Suchradien – aber auch Mobilität.
Viele Homeoffice-Nutzende akzeptieren längere Pendeldistanzen. Gleichzeitig steigt nach dem Umzug häufig die Pkw-Nutzung und die Zahl der Autos pro Haushalt. Die Möglichkeit von Homeoffice ist (neben den verbesserten Arbeitsmarktschancen in ländlichen Räumen) ein entscheidender Parameter, der den aktuellen Wanderungszyklus im Vergleich zu vergangenen Zyklen unterscheidet.
Es gibt nicht den einen „Sehnsuchtsort“.
Die Studie identifiziert unterschiedliche Typen erfolgreicher Gemeinden: funktionale Wohnstandorte, Neubaugemeinden und landschaftlich attraktive Orte. Entscheidend ist laut Studie, dass Kommunen ihre eigenen Stärken kennen und gezielt weiterentwickeln.
Besonders relevant für die Praxis: Attraktivität entsteht nicht nur durch Infrastruktur, sondern auch durch passende Wohnangebote, soziale Orte und das Gefühl, „hier bleiben zu wollen“.
Die Studie „Wohn- und Lebenskonzepte in der Peripherie“ ist auf der BBSR-Website abrufbar, weitere Informationen hier: Wohn- und Lebenskonzepte in der Peripherie.
