Wohneigentum in Deutschland 2024

Wirtschafts- und Sozialforschung

2023

Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer verfügen zwar über mehr Vermögen als Mieterhaushalte, doch ein Großteil davon ist in der Immobilie gebunden, sodass vielen die liquiden Mittel für umfassende energetische Sanierungen fehlen. Besonders junge und ältere Eigentümerinnen und Eigentümer stoßen dabei an finanzielle Grenzen, selbst wenn grundsätzlich Kreditspielräume bestehen. Ziel der Studie war es, die tatsächlichen finanziellen Spielräume für die Energiewende im selbstgenutzten Wohnbestand realistisch einzuschätzen.
Wohneigentum in Deutschland 2024

Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer heizen öfter „grün" als Mieterhaushalte, weil sie im Generationenübergang energetisch ertüchtigen. Im Bestand hat aber eine nennenswerte Anzahl an Eigentümerinnen und Eigentümern kein ausreichendes Finanzierungspotenzial für energetische Sanierung.

Energetische Sanierung: Wie viel Eigentümerinnen und Eigentümer finanzieren können

Während 10% der selbstnutzenden Eigentümerinnen und Eigentümer mit Erdwärme, Sonnenenergie oder Holz heizen, gilt dies nur für 4% der Mieterhaushalte. Bei den jüngeren Selbstnutzerinnen und Selbstnutzern im Alter zwischen 30 und 39 Jahren heizen bereits rund 25% emissionsarm (einschließlich Stromheizungen).

Finanzierungspotenziale: Die Vermögenssituation

Dass Wohneigentümerinnen und -eigentümer in puncto Vermögen einen riesigen Vorsprung vor Mieterinnen und Mietern haben, ist durch frühere Untersuchungen von LBS Research und empirica bekannt. Das bedeute jedoch nicht, dass energetische Sanierungen Eigentümerhaushalte vor keinerlei Probleme stellen würden. Denn: Der größte Teil ihres Vermögens ist nicht liquide, weil er in der Immobilie gebunden ist. Zwar verfügen Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer auch über etwas mehr Geldvermögen als Mieterhaushalte. Allerdings haben die Eigentümerinnen und Eigentümer zumeist vermutlich nicht für eine energetische Neuaufstellung ihres Heims gespart, sondern für andere Zwecke wie die normale Instandhaltung, ein Auto oder unvorhergesehene Ereignisse. Insofern ist es kaum zulässig, für das Gelingen der Energiewende darauf zu setzen, dass diese Ersparnisse vollständig eingesetzt werden können. 

Es kristallisierte sich nicht ganz unerwartet heraus, dass die größten Engpässe bei den jungen und den ältesten Eigentümerinnen und Eigentümern bestehen. Aber auch in den mittleren Altersgruppen reichen die liquiden Mittel bei gut 40% der Eigentümerhaushalte nicht aus, um aufwendigere Sanierungsmaßnahmen komplett aus eigener Tasche zu bezahlen.

Finanzierungspotenziale: Wer sich einen Kredit leisten kann

Die Studie liefert auch Aufschlüsse über die Möglichkeiten zur Kreditfinanzierung: Unterstellt man, dass die Wohnkostenbelastung einschließlich der Rate für diesen Kredit stets nicht mehr als 30% des Haushaltsnettoeinkommens betragen sollte, besteht abhängig vom Alter Luft für eine zusätzliche monatliche Belastung zwischen - im Median - 255 Euro bei Haushalten in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre und 542 Euro in der Altersgruppe 50 bis 59 Jahre. Da ein Modernisierungskredit typischerweise innerhalb von rund zehn Jahren getilgt wird, ergibt sich daraus beispielsweise bei einem Zinssatz von 4% ein finanzierbares Kreditvolumen von im Mittel knapp 25.000 für die Jüngeren, rund 38.000 Euro für die 70- bis 79-Jährigen und sogar fast 53.000 Euro für die 50- bis 59-Jährigen.

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