Vierter Sozialbericht Bayern

Wirtschafts- und Sozialforschung

2015 – 2016

Laut Beschluss des Bayerischen Landtags sollte ein Sozialbericht erstellt werden, der nicht nur auf einzelne Politikfelder eingeht, sondern – dem Lebenslagenkonzept folgend – auch einzelne Bevölkerungsgruppen besonders in den Fokus stellt. Darüber hinaus war die Regionalisierung der Ergebnisse und die Erstellung von Vergleichen mit anderen Bundesländern gefordert. Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen hatte mehrere Lose ausgeschrieben und verschiedene Institute beauftragt. empirica war für die Erstellung der beiden Kapitel „Wohnen“ und "Wohnungslose" verantwortlich. Der Bericht beruht auf der Auswertung sekundärstatistischer Datenquellen. Zentrale Datenquellen für die Analysen sind der Mikrozensus (MZ), das Sozioökonomische Panel (SOEP) und die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS). Darüber hinaus fanden empirica-Regionaldaten zum Wohnungsleerstand sowie zu Kauf- und Mietpreisen Verwendung.
Vierter Sozialbericht Bayern

Der Sozialbericht, der einmal pro Legislaturperiode erstellt wird, analysiert umfassend verschiedene Bereiche des Sozialwesens. Die soziale Lage vieler Haushalte bis hin zur Wohnungslosigkeit ist das Ergebnis mehrerer ineinandergreifender struktureller Entwicklungen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt. Eine zentrale Ursache stellt die zunehmende Verknappung von bezahlbarem Wohnraum in den Wachstumsregionen dar. Diese Entwicklung wird insbesondere durch anhaltende Landflucht, Binnenwanderung sowie ein ausgeprägtes Schwarmverhalten junger Menschen hin zu wenigen attraktiven Städten verstärkt. In diesen Städten steigt die Wohnungsnachfrage deutlich schneller als die Einwohnerzahl, da Haushalte kleiner werden und der Wohnflächenbedarf pro Person zunimmt. Gleichzeitig konnte der Wohnungsneubau mit dieser Dynamik nicht Schritt halten, was zu erheblichen Angebotsengpässen führt.

Die Folge dieser räumlichen Fehlverteilung von Angebot und Nachfrage sind steigende Mieten in den Zuwanderungsregionen, während in Abwanderungsregionen Leerstände entstehen, weil Wohnraum zwar vorhanden ist, jedoch am falschen Ort oder in unzureichender Qualität. Besonders betroffen von den steigenden Wohnkosten sind Haushalte mit niedrigen oder unsicheren Einkommen. Dazu zählen unter anderem Alleinerziehende, Geringverdienende, ältere Menschen sowie Zugewanderte. Für diese Gruppen wird es zunehmend schwieriger, ihre Wohnkosten dauerhaft zu tragen. Mietschulden, Wohnungsverlust und im schlimmsten Fall Wohnungslosigkeit sind mögliche Folgen, insbesondere dort, wo präventive Beratungsangebote, soziale Sicherungssysteme und ausreichend günstiger Wohnraum fehlen.

Gleichzeitig zeigt der vierte Bericht der Bayerischen Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern, dass sich die soziale Situation der Menschen insgesamt weiter verbessert hat. Bayern belegt dabei in vielen zentralen Indikatoren Spitzenplätze oder zumindest vordere Ränge. Beispiele hierfür sind die hohen Erwerbsquoten, das hohe Nettovermögen sowie die Nettoäquivalenzeinkommen.

 

Der Bericht wurde in Zusammenarbeit mit verschiedenen Instituten erstellt. Prognos übernahm dabei neben der Gesamtkoordination auch die Datenbeschaffung, Aufbereitung und Analyse für die Kapitel zu Familien, Kindern und Jugendlichen, Frauen und Männern, älteren Menschen sowie Pflegebedürftigen. Insgesamt verdeutlicht der Bericht damit einerseits die positive gesamtwirtschaftliche und soziale Entwicklung in Bayern, macht andererseits aber auch deutlich, dass strukturelle Probleme auf dem Wohnungsmarkt weiterhin erhebliche soziale Risiken für bestimmte Bevölkerungsgruppen bergen.

Auftraggeber
  • Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen

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