Altersarmut – heute und in der Zukunft

Wirtschafts- und Sozialforschung

2017

Im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hat empirica das heutige und künftige Armutsrisiko für Senioren analysiert. Im Ergebnis könnte die Altersarmut als Folge von Rentenreformen künftig erheblich ansteigen – aber nur, wenn keinerlei Reaktionen der Haushalte unterstellt werden. Gleichwohl war es ja Intention der Rentenreformen, dass die Menschen länger arbeiten und privat vorsorgen. Wenn es zu diesen Reaktionen kommt, wird der Anstieg der Seniorenarmut sehr viel geringer ausfallen. Um auch diesen Anstieg der Armut zu verhindern, muss im Rahmen vorbeugender Strategien die Qualifikation der Betroffenen verbessert und die Integration in den Arbeitsmarkt gefördert werden.
Altersarmut – heute und in der Zukunft

Wie groß ist die Gefahr der Altersarmut heute?

Derzeit ist Armut im Alter in Deutschland noch kein drängendes Problem. Verglichen mit Arbeitslosen (72,7% armutsgefährdet), Alleinerziehenden (42,7%) oder jungen Erwachsenen (23,8%) sind Seniorinnen und Senioren (18,5%) in Deutschland immer noch weitaus seltener armutsgefährdet. Das trifft auch auf die absolute Armut zu, die mit dem Anteil der Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung gemessen werden kann. Während insgesamt 8,4% aller in Deutschland Lebenden im Jahr 2015 Grundsicherung bezogen, galt dies nur für 3,4% der 65-Jährigen und Älteren.


Wie stark steigt die Gefahr der Altersarmut bis 2030?

Den Berechnungen zufolge steigt der Anteil der Älteren, die armutsgefährdet sind, von heute 18,5% auf 20,3%. Prozentual gibt es für die Gesamtheit der Rentnerinnen und Renter also nur eine geringe Erhöhung des relativen Armutsrisikos. Auch die Anzahl der Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung im Alter wächst insgesamt nur moderat von 3,7% auf 3,9%.
In der Gesamtheit aller Rentnerinnen und Rentner gibt es aber Teilgruppen, bei denen ein erheblich höherer Anteil von Armutsgefährdeten zu erwarten ist. Unter den Versicherten, die zum Beispiel durch einen vorgezogenen Renteneintritt oder längere Erwerbsunterbrechungen einen geringeren Rentenanspruch erwerben, steigt der Anteil von 27% auf immerhin knapp 40%. Umgekehrt zeigt sich, wie mit den Stellschrauben „Lebensarbeitszeit“ und „Riester-Rente“ Altersarmut vermieden werden kann.


Altersarmut: Erst Ursachen, dann Symptome bekämpfen

So ist unter den Ostdeutschen, Geringqualifizierten, Migrantinnen und Migranten sowie Geringverdienenden künftig mit einem deutlich höheren Armutsrisiko zu rechnen. Strategien zur Vermeidung von Altersarmut müssen das berücksichtigen und vor allem bei diesen Gruppen ansetzen. Dabei sollten in erster Linie vorbeugende Strategien verfolgt werden, bevor zum Beispiel pauschal niedrige Renten aufgestockt werden. Zu den vorbeugenden Strategien gehört die Förderung der Qualifikation und Integration in den Arbeitsmarkt.

Auftraggeber
  • Deutsches Institut für Altersvorsorge (DIA)

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