Situation von gründungsinteressierten Frauen und Existenzgründerinnen im ländlichen Raum
Wirtschafts- und Sozialforschung
2020
Warum diese Studie wichtig ist
Frauen im ländlichen Raum gründen seltener Unternehmen als in Städten – und ihre spezifischen Herausforderungen wurden bislang kaum systematisch untersucht. Genau hier setzt unsere Studie an. Ziel war es, besser zu verstehen, welche Rahmenbedingungen, Bedürfnisse und Potenziale Gründerinnen und gründungsinteressierte Frauen im ländlichen Raum haben und wie diese gezielt unterstützt werden können. Denn grundsätzlich gelten alle erwerbsfähigen Frauen in ländlichen Regionen als potenzielle Existenzgründerinnen. Um dieses Potenzial besser zu nutzen, ist es entscheidend, die Wirkung des ländlichen Raums auf Gründungsentscheidungen sichtbar zu machen und bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen.
Zentrale Ergebnisse der Studie
Die Ergebnisse zeigen, dass Gründerinnen im ländlichen Raum im Vergleich zu allen Erwerbstätigen überdurchschnittlich gut gebildet sind. Im Vergleich zu männlichen Gründern sowie zu Gründerinnen in städtischen Regionen liegt die Gründerinnenquote etwas niedriger, weil Gründen als hoch empfundene finanzielle Unsicherheit – etwa durch schwankende Einkommen, fehlende soziale Absicherung und erschwerten Zugang zu Finanzierung – wirkt insbesondere bei Frauen in ländlichen Räumen hemmend und trägt wesentlich zur insgesamt niedrigen Gründungsintensität bei. Die Einkommenssituation unterscheidet sich hingegen kaum zwischen ländlichen und städtischen Räumen. Deutlich wird jedoch ein hoher Bedarf an unterstützenden Rahmenbedingungen: Dazu zählen insbesondere ein besseres Angebot an Kinderbetreuung, mehr sichtbare weibliche Vorbilder sowie gezielte Unterstützungsangebote für Frauen. Im ländlichen Raum wirken zudem traditionelle Rollenbilder stärker fort. Frauen übernehmen weiterhin überwiegend die Verantwortung für Sorgearbeit – unabhängig davon, ob sie gründen oder nicht. Um Chancengleichheit zu fördern, braucht es daher sowohl einen fortlaufenden gesellschaftlichen Dialog über Rollenverteilungen als auch angepasste gesetzliche Rahmenbedingungen. Zusätzlich zeigen die Ergebnisse, dass es in vielen ländlichen Regionen an frauenspezifischen Beratungsangeboten, aktiven Netzwerken und einer stärkeren Einbindung klassischer Akteure wie Kammern und Wirtschaftsförderungen fehlt.
- dlv Deutscher LandFrauenverband e.V.