Typologie der Ausweichstrategien beim Erwerb von Wohneigentum

Wohnungsmärkte und Wohnungspolitik

2022

Die Immobilienpreise sind hoch, die Zinsen gestiegen – der Traum vom eigenen Zuhause rückt für viele, insbesondere für junge Familien, scheinbar in unerreichbare Ferne. Dennoch kann der Einzug in die eigenen vier Wände gelingen. Im Auftrag der LBS hat empirica untersucht, wie Haushalte mit durchschnittlichem Einkommen trotz der schwierigen Lage heute Eigentum erwerben können und dabei insgesamt zwölf Strategien ermittelt, die zum Erfolg führen können.
Typologie der Ausweichstrategien beim Erwerb von Wohneigentum

In zahlreichen Regionen Deutschlands sehen sich junge Familien zunehmend mit der Herausforderung konfrontiert, dass vorhandene Ersparnisse angesichts stark gestiegener Immobilienpreise nicht mehr ausreichen, um den Erwerb von Wohneigentum zu finanzieren. Verschärft wird diese Situation durch den aktuellen Anstieg der Bau- und Hypothekenzinsen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten bestehen, den Traum vom Eigenheim dennoch zu realisieren.

Eine naheliegende Strategie besteht darin, das Umland urbaner Zentren in die Immobiliensuche einzubeziehen. Um weitere Handlungsoptionen systematisch zu identifizieren, bedarf es jedoch einer detaillierten Analyse des individuellen Entscheidungsprozesses. Das hat empirica im Rahmen der vorliegenden Studie umgesetzt.

Eine Möglichkeit zur Reduzierung der finanziellen Belastung liegt im Einsatz von Eigenleistungen. Durch handwerkliches Engagement können erhebliche Kosten eingespart werden, wodurch Kompromisse hinsichtlich Lage oder Wohnfläche vermieden oder zumindest reduziert werden. Voraussetzung hierfür sind entsprechende Fähigkeiten sowie die Bereitschaft, aktiv an Renovierungs- und Ausbauarbeiten mitzuwirken.

Darüber hinaus kann ein Verzicht auf einen sofortigen zeitgemäßen Ausstattungsstandard zu einer deutlichen Kostenentlastung beitragen. Haushalte, die bereit sind, vorübergehende Einschränkungen in Kauf zu nehmen und Modernisierungen schrittweise umzusetzen, können Wohneigentum früher oder zu geringeren Kosten beziehen.

Weitere Optionen ergeben sich durch Kompromisse in Bezug auf Wohnumfeld oder Immobilientyp. Während sogenannte Standortkompromissler auch Quartiere mit spezifischen Einschränkungen in Betracht ziehen, entscheiden sich Segmentwechsler beispielsweise für eine Eigentumswohnung, sofern zentrale Bedürfnisse, wie beispielsweise ein privater Außenbereich, weiterhin erfüllt werden.

Auch alternative Eigentums- und Finanzierungsmodelle können zur Realisierung des Eigenheimwunsches beitragen. So besteht die Möglichkeit, Immobilien anteilig zu erwerben oder im Rahmen eines Erbbaurechts lediglich das Gebäude zu finanzieren, während das Grundstück gepachtet wird. Ergänzend kann eine anteilige Finanzierung durch Familienangehörige oder Freunde erfolgen.

Insgesamt zeigt sich, dass die Erschließung zusätzlicher Finanzierungsquellen sowie die Bereitschaft zu Abstrichen bei individuellen Wohnvorstellungen zentrale Voraussetzungen für den Erwerb von Wohneigentum darstellen. Es ist davon auszugehen, dass Wohnwünsche zunehmend mit ökonomischen Realitäten kollidieren und heute ein höheres Maß an Kompromissbereitschaft erforderlich ist als in früheren Jahrzehnten. Die Ergebnisse der vorliegenden Analyse deuten jedoch darauf hin, dass durch angemessene Anpassungen der eigenen Ansprüche weiterhin Möglichkeiten bestehen, Wohnträume zu verwirklichen, ohne unverhältnismäßige finanzielle Risiken einzugehen. Der Suchprozess kann zudem dazu beitragen, die eigenen Prioritäten zu schärfen und zwischen wesentlichen Bedürfnissen und verzichtbaren Ausstattungsmerkmalen zu unterscheiden.

Ähnliche Projekte