Wirkungsanalyse „Kinderfreundliche Kommune“

Wirtschafts- und Sozialforschung

2020 – 2022

Der Verein Kinderfreundliche Kommunen hat im Jahr 2012 das Programm „Kinderfreundliche Kommunen“ gestartet, um Kommunen dabei zu unterstützen, die rechtlich auch Städte und Gemeinden bindende UN-Kinderrechtskonvention auf kommunaler Ebene praktisch umzusetzen. empirica wurde beauftragt eine Wirkungsanalyse in Form einer Folgeabfrage zu entwickeln, um Veränderungen in den Kommunen zum Ende der Umsetzung der Aktionspläne zu ermitteln. Ferner lieferte die Wirkungsanalyse Aussagen über die Zielerreichung des Programms und gab Hinweise zur Weiterentwicklung. Methodisch basiert die Studie auf einer standardisierten Befragung der teilnehmenden Kommunen, Online-Befragungen von Jugendlichen, die in Jugendbeiräten und -parlamenten aktiv sind, Experteninterviews sowie vier Good-Practice-Beispielen.
Wirkungsanalyse „Kinderfreundliche Kommune“

Die Wirkungsanalyse des Programms „Kinderfreundliche Kommunen“ zeigt, dass für eine kinderfreundliche Kommune insbesondere drei Bausteine von zentraler Bedeutung sind: die Entwicklung verbindlicher Aktionspläne, die aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sowie der Aufbau dauerhafter Strukturen, die die Interessen von Kindern systematisch berücksichtigen. Kommunen, die bereits länger am Programm teilnehmen oder sich in fortgeschrittenen Umsetzungsphasen befinden, haben deutlich mehr Maßnahmen umgesetzt und einen großen Teil ihrer Ziele erreicht – besonders im Bereich der Partizipation. Gleichzeitig belegt die Analyse, dass die Verankerung von Kinderrechten in Verwaltung, Politik und Alltag ein langfristiger Prozess ist, der Zeit, Ressourcen und kontinuierliche Unterstützung benötigt.

Die Teilnahme am Programm erhöht die Bedeutung der Kinderrechte in nahezu allen Lebensbereichen der Kommune, von Kinder- und Jugendschutz über Spiel- und Freizeitangebote bis hin zu Partizipation und Bildung. Kinder und Jugendliche bewerten ihre Wohnorte inzwischen mehrheitlich als kinderfreundlich und sehen in den letzten Jahren spürbare Verbesserungen. Kommunen haben Strukturen der Kinderinteressenvertretung ausgebaut, feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Beteiligungsverfahren etabliert, neue Kinder- und Jugendgremien geschaffen und die Mitarbeitenden systematisch geschult. Auch die Sichtbarkeit der Kinderrechte wurde durch das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ erhöht.

Gleichzeitig zeigt die Analyse Hemmnisse und Herausforderungen auf: fehlende personelle Ressourcen, begrenzte Datenlage, unzureichende Expertise in einzelnen Ressorts und die Auswirkungen der Corona-Pandemie bremsen die Umsetzung teilweise. Besonders kleinere Kommunen profitieren von kurzen Entscheidungswegen, sind jedoch in kreisangehörigen Strukturen teilweise abhängig von Landkreisen. Trotz dieser Herausforderungen hat die Teilnahme am Programm dazu geführt, dass Kommunen freiwillige Maßnahmen über die Pflichtaufgaben hinaus umsetzen, Beteiligung systematischer erfolgt und Kinderrechte stärker im Kita- und Schulalltag berücksichtigt werden. Die Wirkungsanalyse liefert damit wichtige Hinweise für die weitere Verstetigung des Programms und die langfristige Förderung kinderfreundlicher Rahmenbedingungen.

Auftraggeber
  • Kinderfreundliche Kommunen e.V.

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